Bildung gegen alle Widerstände: Die Geburtsstunde der Schule in Mimmelage um 1670

Die Geschichte der Bildung im Artland ist eine Geschichte von Pragmatismus, Verboten und dem unermüdlichen Willen der ländlichen Bevölkerung, ihren Kindern eine Zukunft zu ermöglichen. Während heute Schulbusse und digitale Klassenzimmer selbstverständlich sind, sah die Realität im 17. Jahrhundert – kurz nach den Verüstungen des Dreißigjährigen Krieges – völlig anders aus.

Das System der „Winterschulen“

Schon 1617 gab es in Badbergen eine Dorfschule. Doch der Schulbesuch war alles andere als geregelt. In einer Zeit, in der jede helfende Hand auf dem Bauernhof gebraucht wurde, konnten die Kinder meist nur in den Wintermonaten am Unterricht teilnehmen – die Geburtsstunde der sogenannten Winterschulen.

Doch auch der Winter bot Hindernisse: Oft waren die Wege durch Schnee und Schlamm unpassierbar. Bildung war in dieser Zeit ein Privileg, das man sich mühsam erkämpfen musste.

 

Der Streit um die „Winkelschulen“

Interessanterweise gab es schon früh Bestrebungen, die Schule zu den Kindern zu bringen. In den Bauerschaften entstanden sogenannte Neben- oder Winkelschulen. Doch diese waren den offiziellen Stellen ein Dorn im Auge.

  • 1640: Der Lehrer in Quakenbrück beschwert sich bitterlich darüber, dass ihm Einnahmen verloren gehen, weil die wohlhabenden Eltern ihre Kinder lieber auf die Schulen in den Bauerschaften schicken.

  • 1653: Ein offizielles Verbot dieser privaten Bauerschaftsschulen wurde ausgesprochen, um die zentralen Dorfschulen zu stärken.

 

Mimmelage geht eigene Wege

Während die Bauerschaften Langen, Grothe, Wehdel, Vehs und Lechterke im Jahr 1669 Geld für ein neues Schulgebäude in Badbergen stifteten, fehlten Grönloh und Mimmelage in der Spenderliste. Dies ist ein starkes Indiz dafür, dass Mimmelage zu diesem Zeitpunkt bereits eigene Pläne verfolgte oder sogar schon einen eigenen Schulmeister ernannt hatte.

Unter der Regentschaft von Ernst August von Braunschweig-Lüneburg, dem Bischof von Osnabrück, wurde 1670 eine neue Schulordnung erlassen, die dem Bildungswesen einen offiziellen Rahmen gab.

 

Die ersten Lehrer: Vüstermann und Sundermann

Im Jahr 1671 taucht erstmals ein Name in den Akten auf, der fest mit der Schule in Mimmelage verbunden ist: Johann Heinrich Vüstermann. Er heiratete in diesem Jahr seine Frau Anna (wahrscheinlich Anna Margaretha Hölscher). Es ist anzunehmen, dass Vüstermann bereits ein oder zwei Jahre zuvor den Dienst als Schulmeister angetreten hatte.

Ein weiterer interessanter Name ist Joes (Johann) Sundermann, der 1672 verstarb. Er stammte vermutlich vom Hof Halberbe Sundermann in Mimmelage. Während Vüstermann die Kinder vor Ort unterrichtete, war Sundermann wohl als Lehrer an der Dorfschule in Badbergen tätig – ein Beleg dafür, dass Mimmelage durchaus kluge Köpfe hervorbrachte.

 

Das Klassenzimmer im „Erbkotten Burding“

Wo fand der Unterricht statt? Bevor es offizielle Schulgebäude gab, dienten oft einfache Räume in Bauernhäusern als Klassenzimmer. In Mimmelage wurde bis 1748 ein Raum im Erbkotten Burding (EK 24), nahe dem Bohlendam nach Vehs, für den Unterricht genutzt.

Der Erbkotten hatte eine bewegte Geschichte: 1659 von Hugo von Dincklage an Hermann Middendorf (genannt Burding) verkauft, kehrte das Anwesen später wieder in den Besitz der Familie von Dincklage zur Schulenburg zurück. Erst 1748 wurde beim Vollerbe Ahlert ein eigenes Privatschulgebäude errichtet.

 

Ein Blick in die Zukunft

Nach Vüstermanns Tod im Jahr 1684 übernahm der erst 24-jährige Johann Schnuck aus Nortrup das Amt. Er prägte die Schule in Mimmelage über zwei Jahrzehnte lang (1685–1706) und sicherte so die Kontinuität der Bildung in einer Zeit des Wandels.

Fazit: Die Anfänge der Schule in Mimmelage zeigen uns, dass Bildung im Artland tief verwurzelt ist. Trotz Verboten und schwieriger Wege fanden die Menschen Mittel und Wege, Wissen an die nächste Generation weiterzugeben.

Quellen und weiterführende Literatur

 

Ein „verbotener“ Schulmeister: Religiöser Machtkampf in Mimmelage (1713)

Manchmal stößt man bei der Arbeit an den Quellen zur Frühen Geschichte des Artlandes auf Dokumente...

Datenquelle & Referenz

 

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Der Standort der Schule in Groß-Mimmelage im Jahr 1789.