Tausende Namen entschlüsselt: Was uns die Statistiken von Menslage über Leben und Sterben im 18. Jahrhundert verraten
Mit dem Abschluss der Indexierung aller Personennamen aus den lutherischen Tauf-, Trau- und Sterberegistern des Kirchspiels Menslage (1694–1799) ist ein wichtiger Meilenstein erreicht. Insgesamt wurden mehr als 76.000 Namen zugänglich gemacht: 46.226 Taufen, 6.338 Heiraten und 23.734 Sterbefälle.
Obwohl die historische Demographie oft in Zahlen und Tabellen spricht, erzählen all diese Zeilen gemeinsam eine zutiefst menschliche Geschichte über eine widerstandsfähige Landgemeinde. Was offenbaren diese quantitativen Reihen über das Leben im artländischen Raum des 18. Jahrhunderts?
Das schwarze Jahr von 1781 (Mortalität)
Die Sterblichkeit in Menslage schwankte in ruhigen Jahren meist zwischen 40 und 75 Personen pro Jahr. Doch im Jahr 1781 schlug der Tod gnadenlos zu, und die Zahl der Todesfälle stieg sprunghaft auf satte 157 an. Die Register zeichnen eine ergreifende Realität, in der Kinderkrankheiten wie Pocken und Keuchhusten unter den jüngsten Generationen wüteten. Wie verletzlich Familien waren, zeigt sich in Akten, in denen kleine Kinder – wie der kleine Johann Gerhard und Hermann Arnold – zusammen in einem Sarg beerdigt wurden, nachdem sie den Pocken erlegen waren.
Ein weltweiter Horizont
Wer denkt, dass ein agrarisches Kirchspiel wie Menslage völlig isoliert war, wird durch die Register eines Besseren belehrt. Zwischen den trockenen Zeilen tauchen die weitreichenden Lebens- und Arbeitswege der Bewohner auf. So verstarb der Ex-Soldat Johann Peter Beckmann 1762 an seinen Verletzungen nach jahrelangem treuem Dienst als Reiter unter dem britischen Heer bei Rotenburg an der Fulda. Andere starben fernab der Heimat in holländischen Städten oder auf See; so wurde das Ableben von Reisenden und Handwerkern wie Johann Gerdt Bodemann in Ostzaan (1763) und Johann Merten Kaveler, den in Purmerend ein Schlaganfall ereilte (1763), sorgfältig verzeichnet.
Das Rätsel von Migration und Fruchtbarkeit
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wies die Abwanderung einen steigenden Trend auf, mit markanten Höchstständen in Jahren wie 1780 und 1783. Interessanterweise zeigen die Zahlen, dass diese Auswärtsbewegung die lokale Fortpflanzungskraft keineswegs lahmlegte. In den meisten Jahren mit einer hohen Auswanderungszahl lagen die Taufzahlen sogar über dem historischen Durchschnitt von ca. 73 Taufen pro Jahr. Die relative Fertilität blieb mit rund 2 bis 4 Taufen pro 100 Einwohner bemerkenswert stabil, was auf eine starke demografische Pufferzone und ein belastbares Netzwerk hindeutet.
Die Brücke zur Feldforschung und Zukunft: Klein-Mimmelage & Quakenbrück
Das Fertigstellen der Menslager Datenbank knüpft zudem wunderbar an aktuelle Publikationen an. Zeitgleich mit der Veröffentlichung dieses Blogs erscheint das neue Buch über die Bauerschaft Klein-Mimmelage im Kirchspiel Menslage (1236–1700), in dem die Hofnachfolger bis 1700 kartiert wurden. Dank der nun durchsuchbaren Datenbank des 18. Jahrhunderts können Forscher und Genealogen nahtlos die Anknüpfungspunkte finden, um familiäre Verbindungen und die bäuerliche Hofnachfolge ins 18. Jahrhundert hinein weiterzuverfolgen.
Darüber hinaus steht die Maschinerie nicht still: Das nächste große Projekt ist bereits angelaufen mit der Bearbeitung der lutherischen Register von Quakenbrück (1667–1799), womit der Blick auf das umliegende Artland weiter vertieft wird.
Die vollständige Analyse und die Hintergründe sind in dem Whitepaper nachzulesen, das ebenso wie die jährlichen Zählungen als CSV-Datei völlig kostenlos und ohne Registrierung über die Website heruntergeladen werden kann.
Laden Sie hier das PDF-Whitepaper zur Demografie von Menslage herunter (280 Kb):
Downloaden Sie hier die jährlichen Zählungen aus den THS-Registern von Menslage (1694–1799) als CSV-Datei für Ihre eigenen historischen oder genealogischen Forschungen (6 Kb)
Derzeitiger Datenumfang: 203.877 Einträge
Hier geht es zur Personendatenbank.
- Tauf-, Heirats- und Sterberegister (THS) Menslage (1694–1799). Transkriptionen erstellt von J.G. Voortman. Die vollständigen Transkriptionsdateien stehen auf der Übersichtsseite der Transkriptionen zur Verfügung.
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- Dr. Chr. Reinders-Düselder (2000), Das Artland. Demografische, Soziale und Politisch-herrschaftliche Entwicklungen zwischen 1650 und 1850;




