Die selbstbewusste Elite von Klein-Mimmelage: Alphabetisierung, Reformation und sozialer Aufstieg um 1600

Die traditionelle Geschichtsschreibung des Artlandes zeichnet ein hartnäckiges Bild des 16. und 17. Jahrhunderts: ein isoliertes flaches Land, bewohnt von weitgehend analphabetischen Bauern, die weit entfernt von den intellektuellen Umwälzungen in den Städten lebten. Der steile gesellschaftliche Aufstieg des Bauernsohnes Jakob Dürfeld (1591–1657) — der es über mehrere Universitäten zum Rektor der angesehenen Ratsschule in Osnabrück brachte — galt darin stets als einzigartiges „Wunderkind“ und zufällige Ausnahme von der Regel.

Doch wenn wir den Blick auf die turbulenten Jahre 1585–1610 schärfen und die tiefere Dynamik auf den Höfen von Klein-Mimmelage freilegen, bröckelt dieses klassische Bild rasch dahin. War Dürfeld wirklich diese einsame Ausnahme, oder blicken wir hier auf die Spitze eines Eisbergs einer überraschend bildungsnahen und selbstbewussten Bauernelite? Stimmt diese traditionelle Sichtweise überhaupt?